Die nicht immer verbindende kraft des Essens

am

April 2017 – 1. Probenphase

Nach dem ersten Treffen in der Villa Waldberta dachte ich mir:
Wir sollten unbedingt mal afrikanisch essen.
Ubuntu, wie ich es in Senegal kennengelernt habe.
Dabei sitzt man um eine große Platte mit Reis, Hirse oder Couscous herum,
darauf ganze Fische oder Hühnchen-teile (Tiere laufen auf dem Land frei herum und fressen Küchenabfälle, die deswegen oft einfach hinter sich oder zum Fenster hinausgeworfen werden. Die nächste Ziege, Huhn oder Schwein ist bald zur Stelle. Müllabfuhr gab es nicht). Ansonsten noch Gemüse im Ganzen und meist eine Zwiebel-Knoblauch-Kräutersosse. Köstlich.
Man aß mit der Hand, nur die Rechte, oder einem Löffel von der Platte, zerteilte immer wieder etwas und gab jedem ein Stückchen davon.
Die Senegalesen, die ich kennenlernte, redeten während des Essens nicht. Sobald sie fertig waren, schoben sie ihr Stühlchen zurück und waren wieder sozial.
Oder standen auf, wuschen sich die Hände und setzten sich unter einem Baum zusammen, wo einer starken Tee mit viel Zucker zubereitete und den kunstvoll in hohen Bogen von einem Glas ins andere goss, damit er schaumig würde.
Auch hockte ich da manchmal mit lauter schwarzem Männern um so eine Platte, die ab und zu kicherten oder etwas in einer Ihrer vielen Sprachen sagten, wobei ich mich schon etwas unsicher und sehr weiß fühlte, so hatte das Ganze doch in seiner Wortlosigkeit etwas sehr Verbindendes.
Wenn nur Europäer um so eine Schale versammelt waren, war es nicht interessant.
Die Mischung machte es.

Das wäre doch ideal zum Kennenlernen.
Axel Tangerding vom Metatheater, ein weitgereister Mann, findet die Idee prima.
Wir werden ein Treffen mit bayrischen Leuten aus Moosach haben.
Als ich meine ugandischen Kollegen frage, wie sie denn essen, reagieren sie zögerlich. Ja, auf dem Land würde man schon zusammen essen. In der Stadt, Kampala, wo sie leben, gebe es viele Leute, die Junk Food essen, weil sie das in westlicher Werbung sehen und meinten, das müssten sie auch haben, um modern zu sein.

Sie selber finden es interessanter, um bayrisches Essen zu probieren, beim Treffen in Moosach.
Walter aus Uganda liebt Döner.
Als uns Horst Konietzny, der Regisseur, nach einer langen Probe, zum Döner einläd, gehen wir in einen türkischen Laden, der sehr gut sein soll.
Ja, gerne, das ist bestimmt schön für die Gemeinsamkeit.
In dem Geschäft dröhnt laute Technomusik, Leute aller Hautfarben bestellen Döner.
Der Mann an der Kasse brüllt den Namen sobald man dran ist für den Döner.
Horst wird zu Karsten. Ich empfinde es als nicht sehr gemütlich.
In Walter und Catherine ’s Gesicht ist nicht zu lesen, was sie denken.
Dann sind sie an der Reihe.
Walter will nun keinen Döner, weil das richtige Fleisch aus ist.
Catherine verzichtet, weil sie kein Weißmehl essen kann oder will.
Laktose-Intoleranz, Allergien, neue Essgewohnheiten.
Ich hätte nicht gedacht, dass Afrikaner das auch haben.
Am Ende mampfen Horst und ich Falafel dürüm und Walter kalte Pommes mit Ketchup.
Catherine knabbert Nüsschen.
Halb im stehen, halb auf Barhockern, Kunden drängen sich an uns vorbei, die Musik dröhnt weiter.
Eigentlich mag ich so eine Art Essen nicht wirklich.
Ubuntu

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